Anonym – Chinesisches Tor

Nur einen Steinwurf von „Rundfunk Steiner“ entfernt befindet sich der Kaiserbrunnen. Aber nicht einmal er kommt gegen die Signalwirkung des chinesischen Tores an („New Pavillon“), direkt gegenüber vom Eingang zum Wadgasser Hof. Soll diese visuelle Atombombe ein postmoderner Witz sein? I love KL – andere asiatische Restaurants in Kaiserslautern werben ähnlich aggressiv.

Auf dem nahegelegenen Martinsplatz wird das Thema „Portale“ zum zentralen städtebaulichen Gestaltungselement – insofern fügt sich unser extravagantes chinesisches Tor dann doch wieder ins Gesamtbild der Stadtachse (via regalis) ein, als eine Art Chinoiserie.

 

Nicht jede Chinoiserie ist künstlerisch oder kunsthandwerklich wertvoll und nicht jede Marketingidee eines gewöhnlichen Chinarestaurants schrecklich – learning from Las Vegas! Man könnte sogar von einer Demokratisierung des Exotischen sprechen, weil sich heutzutage fast jeder den Besuch eines chinesischen Restaurants leisten kann; im Gegensatz zu früher, denn damals war die Einrichtung eines chinesischen Salons und der Genuss fremdländischer Gewürze den wohlhabenden Herrschern vorbehalten. Leider gibt es nur wenige authentische chinesische Restaurants, wie so oft dominieren auch hier die Gesetze der Systemgastronomie und Fastfood (=Fett+Zucker), es regiert die Fritteuse: Fleisch aus Massentierhaltung, Reis und Gemüse aus Monokultur.

Abbildung: Chinesischer Tee-Händler und Dame, (J. J. Kändler & Friedrich Elias Meyer?), Meißen, ca. 1745, Wadsworth Atheneum, Hartford

Venturi/Scott Brown: Learning from Las Vegas, 1972

 

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